Von Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche sind meist Opfer der Machtstrukturen Erwachsener. Darum soll unser Schwerpunkt  als Gemeinden darauf liegen, unseren Umgang untereinander zu thematisieren und unsere Strukturen transparent zu machen. Um eine wirksame Sprache gegen Gewalt zu finden, braucht es klare Standards für den Schutz und die Begleitung von Kindern und Jugendlichen. Unser Kodex für Mitarbeitende enthält einige solcher erprobter und bewährter Standards.

Wir laden Mitarbeitende der Gemeinden und des Gemeindejugendwerkes ein, sich anhand dieses Kodex’ (und der bereits erschienenen Materialien) mit dem Thema „Sichere Gemeinde“ zu beschäftigen und eine Haltung der Wertschätzung, Achtung und Liebe zu entfalten.

Wir empfehlen den Kodex von Mitarbeitenden in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen - im Sinne einer Selbstverpflichtung und einer gemeinsamen Haltung - unterschreiben zu lassen.

Kodex für Mitarbeitende in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Auf dem Weg zu sicheren Gemeinden für Kinder und Jugendliche sollen Mitarbeitende Beziehungen so leben, dass Vertrauen nicht zerstört und Grenzen respektiert werden. Zum Schutz der Teilnehmenden und zu meinem eigenen Schutz halte ich mich an folgende Grundsätze:

1. Ich verpflichte mich, alles mir Mögliche zu tun, damit Kinder und Jugendliche vor Schaden und jeder Art von Gewalt bewahrt werden. Deshalb beachte ich die gesetzlichen Vorschriften zum Schutz der Teilnehmenden und bin aufmerksam gegenüber Gefahren und grenzüberschreitendem Verhalten.

2. Ich nehme die Intimsphäre, das Schamgefühl und die individuellen Grenzempfindungen von  Kindern und Jugendlichen wahr und ernst. Ich erkenne an, dass jeder Mensch ein Individuum mit eigener Persönlichkeit ist. Deshalb begegne ich dem eigenen Willen aller Gruppenmitglieder mit Respekt.

3. Mir ist bewusst, dass es ein natürliches Machtgefälle zwischen Mitarbeitenden und Teilnehmenden gibt.
Mit der mir übertragenen Verantwortung gehe ich sorgsam um. Insbesondere missbrauche ich meine Rolle als Mitarbeiter oder Mitarbeiterin nicht für sexuelle Kontakte
zu mir anvertrauten jungen Menschen.

4. Mein Umgang mit Teilnehmenden und Mitarbeitenden spiegelt gegenseitige Wertschätzung und Respekt wieder. Deshalb verzichte ich auf abwertendes Verhalten und beziehe gegen gewalttätiges, diskriminierendes, rassistisches und sexistisches Verhalten aktiv Stellung.

5. Ich spreche in unserem Mitarbeiterteam Situationen an, die mit diesem Kodex nicht in Einklang stehen, um ein offenes Klima untereinander zu schaffen und zu erhalten.

6. Ich achte auf Anzeichen von Vernachlässigung und Gewalt bei Kindern und Jugendlichen. Ich informiere mich über die notwendigen Handlungsschritte und suche mir kompetente Ansprechpersonen, damit ich im konkreten Fall Hilfe für mich und Betroffene finde.