Kodex für Mitarbeitende in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

In der Aufarbeitung von (sexualisierter) Gewalt an Kindern und Jugendlichen wurde immer wieder deutlich, dass Täterinnen und Täter ihr Vorgehen strategisch geplant und ihre Machtpositionen auch angesichts fehlender, unklarer oder nicht transparenter Regeln gezielt ausgenutzt haben. In der Regel ging dem sexuellen Missbrauch neben der Manipulation der Betroffenen und des Umfeldes eine Reihe sich steigernder Grenzüberschreitungen voraus. Diese Grenzüberschreitungen waren für das Umfeld aufgrund fehlender Verhaltensregeln entweder kaum ersichtlich oder sie wurden – wenn sie bemerkt wurden – jede für sich betrachtet nicht als sonderlich problematisch angesehen oder oftmals nicht richtig gedeutet, bisweilen mit der einfachen Erklärung „der ist halt so“. Vor diesem Hintergrund hat sich die Entwicklung eines Verhaltenskodex als ein wesentliches Instrument in der Prävention von (sexualisierter) Gewalt in Institutionen herausgebildet und bewährt. (Quelle)

Um zu verdeutlichen, dass es nicht nur um das wahrnehmbare Verhalten, sondern auch um die geteilte Haltung dahinter geht, sprechen wir anstelle vom Verhaltenskodex vom "Kodex für Mitarbeitende". Er soll durch seine klaren und transparenten Regeln für alle hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu beitragen,

  • eine gemeinsame Haltung zu fördern und eine Kultur der Achtsamkeit zu etablieren, die getragen sind von Wertschätzung, Aufrichtigkeit und Transparenz;
  • Kinder und Jugendliche vor Grenzverletzungen sowie Gewalt zu schützen;
  • Mitarbeitenden Sicherheit und Orientierung in sensiblen Situationen und Bereichen des eigenen Arbeitsfeldes zu geben und vor falschem Verdacht zu schützen;
  • den professionellen Umgang mit Nähe und Distanz persönlich und im Team zu reflektieren;
  • und das Thema Prävention von Gewalt an Kindern und Jugendlichen wachzuhalten.

Der Kodex entfaltet nur dann seine Wirkung, wenn er immer wieder neu auf konkrete Situationen hin reflektiert und besprochen wird, wenn er neuen Mitarbeitenden bekannt gemacht wird und wenn er regelmäßig auf seine Wirksamkeit hin überprüft und ggf. weiterentwickelt wird. Kinder und Jugendliche brauchen Möglichkeiten, sich bei Regelübertretungen zu beschweren.

Wir empfehlen, diesen Kodex – im Sinne einer Selbstverpflichtung und einer gemeinsamen Haltung – von allen unterschreiben zu lassen, die in Verantwortungspositionen stehen oder mit Kindern und Jugendlichen unterwegs sind.

Kodex für Mitarbeitende in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Auf dem Weg zu sicheren Gemeinden für Kinder und Jugendliche sollen Mitarbeitende Beziehungen so leben, dass Vertrauen nicht zerstört und Grenzen respektiert werden. Zum Schutz der Teilnehmenden und zu meinem eigenen Schutz halte ich mich an folgende Grundsätze:

  1. Ich verpflichte mich, alles mir Mögliche zu tun, damit Kinder und Jugendliche vor Schaden und jeder Art von Gewalt bewahrt werden. Deshalb beachte ich die gesetzlichen Vorschriften zum Schutz der Teilnehmenden und bin aufmerksam gegenüber Gefahren und grenzüberschreitendem Verhalten.

  2. Ich nehme die Intimsphäre, das Schamgefühl und die individuellen Grenzempfindungen von  Kindern und Jugendlichen wahr und ernst. Ich erkenne an, dass jeder Mensch ein Individuum mit eigener Persönlichkeit ist. Deshalb begegne ich dem eigenen Willen aller Gruppenmitglieder mit Respekt.

  3. Mir ist bewusst, dass es ein natürliches Machtgefälle zwischen Mitarbeitenden und Teilnehmenden gibt. Mit der mir übertragenen Verantwortung gehe ich sorgsam um. Insbesondere missbrauche ich meine Rolle als Mitarbeiter oder Mitarbeiterin nicht für sexuelle Kontakte zu mir anvertrauten jungen Menschen.

  4. Mein Umgang mit Teilnehmenden und Mitarbeitenden spiegelt gegenseitige Wertschätzung und Respekt wieder. Deshalb verzichte ich auf abwertendes Verhalten und beziehe gegen gewalttätiges, diskriminierendes, rassistisches und sexistisches Verhalten aktiv Stellung.

  5. Ich spreche in unserem Mitarbeiterteam Situationen an, die mit diesem Kodex nicht in Einklang stehen, um ein offenes Klima untereinander zu schaffen und zu erhalten.

  6. Ich achte auf Anzeichen von Vernachlässigung und Gewalt bei Kindern und Jugendlichen. Ich informiere mich über die notwendigen Handlungsschritte und suche mir kompetente Ansprechpersonen, damit ich im konkreten Fall Hilfe für mich und Betroffene finde.

Ort, Datum, Name, Unterschrift

Mit diesem Kodex soll gut und gerne gearbeitet werden - nutze einfach die Copy-Paste-Funktion. Bitte gib als Quelle "© Gemeindejugendwerk" an. Du kannst ihn auch kostenlos in beliebiger Stückzahl als Papierflyer in der GJW Bundesgeschäftsstelle für deine Gemeindearbeit bestellen. Wir stellen Versandkosten in Rechnung und erbeten eine Spende an Projekt 56122 – Sichere Gemeinde.

Bestellungen bitte telefonisch oder per E-Mail an:


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