Auf ein Neues - Der GJW-Filmtipp im Januar

Nach dem Jahreswechsel sind wir besonders offen für Neues. Als hätte Silvester alles auf null gestellt und wir dürften noch einmal von vorne anfangen. Genau die richtige Zeit also, um sich auch im Kino mit großen Veränderungen zu beschäftigen und den einen oder anderen Paradigmenwechsel vorzunehmen!

Die 5. Welle
Der Endzeitfilm mit jugendlichem Zielpublikum „Die 5. Welle“ wird sicher nicht in die Filmgeschichte eingehen, aber er birgt neben solidem Blockbusterkino auch eine Menge interessanter Gedankenanstöße. Die Geschichte kreist um die junge Cassie, die sich durch eine apokalyptische Welt durchschlägt, um ihren kleinen Bruder zu finden. Bedroht ist die Menschheit hier durch Außerirdische, nur „die Anderen“ genannt, die sich tückischer Weise in menschlichen Körper einnisten und von außen nicht zu erkennen sind. Somit stellt sich auf Cassies Reise durch eine erschreckend menschenleere Welt die Frage: Wem kann sie eigentlich noch trauen?
Wie jedes Alien-Invasionsszenario ist auch dieses ein Spiegel zeitgenössischer Ängste. Naturkatastrophen, Killerviren und Feinde, die als solche nicht zu erkennen sind – das sind auch Themen, die uns in der Realität umtreiben. „Die 5. Welle“ zeigt jedoch eindrucksvoll, dass die größte Bedrohung vom Verlust unserer Menschlichkeit ausgeht, von gegenseitigem Misstrauen und sinnloser Gewalt. Interessanter Weise sind es in diesem, auf den ersten Blick, durchweg säkularen Film im Grunde die Elemente Glaube, Liebe und Hoffnung, die den Menschen ausmachen.
Gerade in diesen Tagen, in denen Fremdenfeindlichkeit auf erschreckende Weise omnipräsent ist, gibt „Die 5. Welle“ Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren Gelegenheit darüber nachzudenken, was der Angst vor „den Anderen“ zu Grunde liegt und wie wir sie den Menschen nehmen könnten. Gleichzeitig formuliert der Film klar die Frage danach, was uns als Menschen ausmacht, was „Menschlichkeit“ eigentlich im Kern bedeutet und ob dieser Begriff wirklich noch auf uns anwendbar ist. Wie gehen wir mit „den Anderen“ um? Wie viele Spezies hat die menschliche Rasse auf dieser Erde schon ausgerottet? Sind wir vielleicht selbst „die Anderen“?

Kinostart: 14. Januar 2016
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Suffragette
Es ist schwer zu glauben, dass mit „Suffragette  - Taten statt Worte“ erstmalig auf großer Leinwand von der Frauenbewegung Anfang des letzten Jahrhunderts erzählt wird. Mit beeindruckendem und durchaus herausforderndem Realismus erzählt Regisseurin Sarah Gavron von den britischen Suffragetten, die mit Hilfe zivilen Ungehorsams für ihr Wahlrecht kämpften.
Entstanden ist ein ungemein spannender Film, der nicht nur ein völlig vernachlässigtes Kapitel der europäischen Geschichte aufschlägt, sondern auch eine Menge über unsere Gegenwart erzählt. Denn viele der Probleme, mit denen Hauptfigur Maud konfrontiert wird, bestehen – wenn auch in abgeschwächter Form – noch heute. Ungleiche Bezahlung, sexuelle Belästigung, Abhängigkeit vom Ehemann – warum kämpfen wir nach 100 Jahren aktivem Feminismus noch immer mit diesen patriarchalen Strukturen? Und warum ist es eigentlich so schwer, sich damals „Suffragette“ oder heute „Feministin“ zu nennen?
„Suffragette“ ist der ideale Ausgangspunkt, um mit Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren über das Thema Feminismus und Gleichberechtigung der Geschlechter ins Gespräch zu kommen und dabei auch die eigene Lebensrealität kritisch zu hinterfragen.

Kinostart: 4. Februar 2016
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Sophie-Charlotte Rieger
www.filmloewin.de