It is well with my soul.

Zur Entstehung des Liedes von Horatio Spafford

Von Volkmar Hamp  |  Erschienen in HERRLICH 01|2025, Seiten 24-27  |  Lesezeit: 3:02 Min

„Hiob meets Titanic“ – das könnte eine Überschrift für die Entstehungsgeschichte des Liedes „It is well with my soul“ sein. Sie ist oft erzählt worden – mit Unterschieden im Detail, aber im Großen und Ganzen so: Autor des Liedes ist der US-amerikanische Anwalt Horatio Spafford (1828-1888). Er heiratete am 5. September 1861 in Chicago Anne Tobine Larsen Øglende (1842-1923) aus Stavanger in Norwegen. Zehn Jahre später, im Oktober 1871, zerstörte ein großer Brand einen beträchtlichen Teil Chicagos und vernichtete auch das in Immobilien investierte Vermögen der Spaffords.

Zwei Jahre später plante die Familie Spafford eine Reise nach Europa. Horatio Spafford wurde durch Geschäftstermine aufgehalten. Deshalb reiste seine Frau mit den vier Töchtern allein voraus. Bei der Überfahrt über den Atlantik kollidierte ihr Schiff, die Ville du Havre, am 22. November 1873 mit dem schottischen Klipper Loch Earn, brach auseinander und ging innerhalb von zwölf Minuten unter. 226 der 313 Menschen an Bord ertranken, unter ihnen die vier Töchter der Familie Spafford. Nur Spaffords Frau Anne überlebte.

Trotz dieser Schicksalsschläge schrieb Horatio Spafford einige Jahre später (1876) das Lied „It is well with my soul“, auf Deutsch bekannt als „Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt (Mir ist wohl in dem Herrn)“.

Allen Schicksalsschlägen zum Trotz hielt er an Gott fest. Staffords Text könnte von einem Bibelvers inspiriert worden sein, der in 2. Könige 4,26 zu finden ist. Von einer Frau, deren einziger erwachsener Sohn kurz zuvor gestorben war, heißt es in diesem Vers: „So lauf ihr nun entgegen und frage sie, ob es ihr, ihrem Mann und ihrem Sohn gut gehe. Sie sprach: Gut!“

Fünf Jahre nach dem Unglück mit der Ville du Havre (1881) beschloss das Ehepaar Spafford, mit ihrer im selben Jahr geborenen fünften Tochter Grace nach Jerusalem ins damalige Palästina auszuwandern. Sie gründeten dort 1888 die American Colony, der sich bald eine Gruppe von Schweden anschloss. Ihr Anliegen war es, den Armen zu dienen – unabhängig von deren Religionszugehörigkeit und ohne missionarische Motive. Dennoch kamen viele Juden und Muslime durch sie zum Glauben an Jesus. Das heute noch existierende Spafford Children's Hospital in Ost-Jerusalem entstand aus dieser amerikanischen Kolonie in Jerusalem. Das American Colony Hotel wurde bis 1980 von der Spafford-Familie geführt und zählt auch heute noch zu den besten Hotels der Welt.

Horatio Spafford starb am 25. September 1888 im Alter von 59 Jahren an Malaria und wurde auf dem Zionsfriedhof in Jerusalem beerdigt. Seine Frau überlebte ihn um 25 Jahre und führte ihr gemeinsames Lebenswerk weiter. Die American Colony gewann das Vertrauen der ortsansässigen christlichen, jüdischen und muslimischen Gemeinden und spielte während und kurz nach dem Ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle bei der Unterstützung dieser Gemeinden durch Suppenküchen, Krankenhäuser, Waisenhäuser und andere wohltätige Einrichtungen.

Volkmar Hamp

Volkmar Hamp ist Referent für Redaktionelles im Gemeindejugendwerk des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und interessiert sich – neben vielem anderen – auch für Musik und Musikgeschichte.