Methodensammlung: Themen bearbeiten und Entscheidungen treffen
Wie sammeln, besprechen und bewerten wir Informationen und Material?
SPIEL: Hast du Worte?
WOMIT?
Gebraucht werden Vorschläge für Diskussionsthemen (Beispiele s.u. bei WAS & WIE), Pro- und Contra-Karten.
WOZU?
Einüben einer guten Diskussionskultur.
WER?
Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren.
WAS UND WIE?
Gespielt wird in Kleingruppen mit 5 bis 7 Teilnehmenden. Jede Gruppe zieht einen Themenvorschlag. Die ausgewählten Diskussionsthemen können völliger Nonsens sein (Sollten Kamele als öffentliche Verkehrsmittel eingesetzt werden?) oder aber auch Gruppenkonflikte ansprechen (Warum ärgern die Großen immer die Kleinen?). Ein Kind aus jedem Team übernimmt jeweils die Moderation. Die anderen ziehen eine Pro- oder Contra-Karte und setzen sich, je nach Parteilichkeit, einander gegenüber. Die Zuschauenden nehmen ebenfalls ihre Plätze ein, und die Diskussion kann beginnen. Redebeiträge aus dem Publikum werden ebenfalls entgegengenommen. Gegebenenfalls können die Pro- und Contra-Argumente auch kurz in Kleingruppen vorbereitet werden. Ziel des Spieles ist es, in der jeweiligen Problemstellung eine Kompromisslösung für alle Beteiligten zu finden. Am Ende der Diskussion kann – auch unter Einbeziehung des Publikums – abgestimmt werden.
EINSTIEG / IMPULS: Bilden von Peers
WOMIT?
Gebraucht wird eine lange Schnur oder ein langer Wollfaden.
WOZU?
Die Teilnehmenden lernen, Emotionen und Gefühle wahrzunehmen und sich zu ihnen zu positionieren. Außerdem erfahren sie, dass es andere Positionen gibt als die eigene, sowie ähnliche oder gleiche.
WER?
Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren. Gruppengröße ab 10 Personen.
WAS UND WIE?
Der Raum wird durch die Schnur zweigeteilt. Eine Seite steht für „Ja“, die andere für „nein“. Die Spielleitung stellt nun Fragen. Die Teilnehmenden sollen diese für sich beantworten und sich entsprechend positionieren.
Mögliche Fragen:
- Wer ist heute müde?
- Wer hat heute schon laut gelacht?
- Wer fühlt manchmal mehreres gleichzeitig?
- Wer weiß gerade nicht, wie er oder sie sich fühlen soll?
- Wer war schon mal richtig wütend?
Varianten:
- Mit der Schnur können mehrere Felder gelegt werden, damit die Auswahl an Antwortmöglichkeiten höher oder präziser ist. (z.B. „stimme zu“, „stimme bedingt zu“, „stimme bedingt nicht zu“, „stimme nicht zu“).
- Man kann sich zu „Ja“ oder „Nein“ positionieren und Distanzen variieren (bei starkem Gefühl steht man näher an der Linie und beim schwachen Gefühl weiter weg).
EINSTIEG / IMPULS: Gefühle sind wie Farben
WOMIT?
Gebraucht werden Karten, Luftballons oder andere Gegenstände in vielen unterschiedlichen Farben.
WOZU?
Die Teilnehmenden drücken aus, wie sie sich gerade fühlen, und nehmen die Gefühle der anderen Personen wahr.
WER?
Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren.
WAS UND WIE?
Jede*r Teilnehmende sucht sich eine Karte, einen Luftballon oder einen anderen Gegenstand in einer Farbe aus, die den eigenen Gefühlszustand widerspiegelt. Anschließend wird reihum erzählt, welches Gefühl mit der Farbe verbunden wird und warum sie ausgesucht wurde. „Richtige“ oder „falsche“ Farben und Gefühle gibt es dabei nicht!
EINSTIEG / IMPULS: Bilder für Gefühle
WOMIT?
Gebraucht werden viele Fotos mit unterschiedlichen Stimmungen.
WOZU?
Anhand der Bilder kommen wir über Gefühle ins Gespräch.
WER?
Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen.
WAS UND WIE?
In der Mitte liegen viele Fotos mit unterschiedlichen Stimmungen. Jedes Kind darf sich ein Foto aussuchen, in dem es ein bestimmtes Gefühl wiederfindet. Anschließend erzählen sie einander, welches Gefühl sie in dem Foto entdeckt und warum sie sich dieses Bild ausgesucht haben.
KONSENS-METHODE: 2 – 4 – 8 – 16
WOMIT?
Es wird kein Material benötigt!
WOZU?
Zu einer Fragestellung wird eine konsensfähige Lösung gefunden.
WER?
Jugendliche ab 14 Jahren.
WAS UND WIE?
Das Problem / Die Aufgabe wird dargestellt und in Zweiergruppen bearbeitet. Anschließend kommen je zwei Zweiergruppen zusammen und tauschen ihre Ergebnisse aus. Sie versuchen, miteinander einen Konsens zu finden. Nun kommen je zwei Vierergruppen zusammen und verfahren genauso, danach zwei Achtergruppen. Schließlich kommt das ganze Plenum zusammen und findet eine gemeinsame Lösung.
Ablauf (jeweils 10-15 Minuten):
- 8 x 2er-Gruppen
- 4 x 4er-Gruppen
- 2 x 8er-Gruppen
- Plenum findet Konsens
Wichtig ist, dass in keiner Phase jemand überstimmt werden darf, sondern immer wirklich ein Konsens gefunden wird, sonst hakt es später! Die Stärke des Modells ist dann, dass alle hinter der gefundenen Lösung stehen. Die Schwäche: Extreme Alternativen scheiden meistens aus. Dadurch sind sehr kreative Lösungen selten!
BRAINSTORMING-METHODE: 635
WOMIT?
Gebraucht werden Schreibstifte und das 635-Formular.
635-Formular zu Download
WOZU?
In kurzer Zeit werden viele Ideen zu einem Thema entwickelt.
WER?
Jugendliche ab 14 Jahren.
WAS UND WIE?
Die Methode 635 ist eine Form des Brainstormings, die schriftlich in der Gruppe durchgeführt wird. Jede*r Teilnehmende erhält ein vorbereitetes 635-Formular (635-Formular zu Download) . Die Angaben zu den Beteiligten und die Blatt-Nummer werden von den Teilnehmenden eingetragen. Das Problem bzw. die Aufgabe wird vorgestellt und die genaue Problemstellung definiert. Die Problemdefinition wird im 635-Formular notiert.
Alle sechs Teilnehmenden tragen nun 3 Ideen oder Lösungsvorschläge in die oberste Zeile ihres 635-Formulars ein (horizontal!). Dafür gibt es ca. 5 Minuten Zeit (deshalb: Methode 635!).
Auf ein Kommando der Moderation hin wird das 635-Formular nach rechts weitergegeben. Jedes Gruppenmitglied hat nun ein 635-Formular seines linken Tischnachbarn bzw. seiner linken Tischnachbarin vor sich, in dem schon die erste Tabellenzeile mit ihren drei Kästchen ausgefüllt ist. In die zweite Tabellenzeile können in dieser Runde wieder 3 Ideen eingetragen werden. Diese Ideen können die Vorgängerideen ergänzen oder variieren, dürfen aber auch vollständig andere, neue Ideen sein. Dafür stehen wieder 5 Minuten zur Verfügung.
Danach werden die Formulare wieder in der gleichen Richtung weitergereicht und so weiter, bis die sechste und letzte Zeile des 635-Formulars ausgefüllt ist.
Grobbewertung der Ideen: Bei der Brainstorming-Methode 635 kann im Anschluss an die Ideenfindung mit Hilfe der 635-Formulare in einer gut funktionierenden Gruppe eine erste Bewertung der Ideen vorgenommen werden. Dies ist natürlich ein sensibler Punkt in der Brainstorming-Sitzung. Denn wenn bis dahin galt, dass Kritik untersagt ist, so wird jetzt eine Bewertung der Ideen vorgenommen.
So sollte die Bewertung ablaufen: Die 635-Formulare kursieren in der bekannten Weise noch einmal in der Runde. Jedes Gruppenmitglied erhält die Aufgabe, jeweils drei verschiedene Ideen anzukreuzen, die ihm für die Problemlösung am geeignetsten erscheinen. Dadurch erhält jedes 635-Formular Kreuze zur Bewertung. Im Anschluss werden von der Moderation diejenigen Vorschläge vorgestellt, die 4, 5 oder 6 Bewertungskreuze erhalten haben. Diese Ideen könnten danach mit anderen Brainstorming-Methoden weiterentwickelt werden.
Regeln und Tipps: Die Brainstorming-Methode 635 stellt an die Teamfähigkeit aller Teilnehmenden große Anforderungen. Daher sollten die nachfolgenden Regeln und Tipps beachtet werden:
Die Methode kann natürlich auch mit einer größeren oder kleineren Zahl von Personen und anderen Zeitvorgaben durchgeführt werden. Sie lautet dann eben Methode 534 oder 837.
Es herrscht kein Zwang, in jedes Kästchen etwas zu schreiben. Wem nichts einfällt, der oder die lässt Kästchen frei.
Deutlich und verständlich schreiben! So werden unnötige und störende Zwischengespräche vermieden.
Es können immer wieder Doppelnennungen vorkommen.
Die späteren Runden benötigen möglicherweise etwas mehr als 5 Minuten, damit genügend Zeit bleibt, die Ideen aus den vorangegangenen Runden zu lesen und sich gegebenenfalls davon anregen zu lassen.
Um den Ideenfluss von Gruppenmitgliedern, die in der vorgegebenen Zeit mehr als drei Ideen haben, nicht über Gebühr zu bremsen, kann man wie folgt verfahren: Ein oder mehrere Blätter Papier werden in die Mitte gelegt. Wer noch Ideen loswerden will, darf sie auf ein derartiges Blatt schreiben und muss das Blatt dann wieder in die Mitte legen. Wenn jemand keine Ideen hat, darf er sich ein Blatt aus der Mitte nehmen und sich von den dort „deponierten“ Ideen zu weiteren eigenen Ideen anregen lassen.
Um die 635-Formulare präsentieren zu können, können die Vorlagen auch im DIN A3-Format kursieren oder am Laptop gestaltet werden.
ZIELFINDUNGSPROZESS: Metaplan
WOMIT?
Gebraucht werden Karteikarten, Eddings, eine große Wand, Klebestreifen und Klebepunkte.
WOZU?
Ein Thema wird von einer Gruppe bearbeitet.
WER?
Jugendliche ab 14 Jahren.
WAS UND WIE?
Der Vorteil auch dieser Methode ist, dass alle an der Problembewältigung beteiligt sind.
Regeln:
- Das Thema wurde bereits vorher festgelegt. Gibt es im Vorfeld mehrere Themen, dann wird mit Hilfe von Klebepunkten (jede Person kann 3 Punkte nach eigener Wahl verteilen) eine Prioritätenliste erstellt.
- Das Problem wird von einer kompetenten Person geschildert.
- Kartenabfrage zur Problemlösung: „Was ist mir wichtig, wenn ich an ... denke?“: Jede Person schreibt auf je eine Karte nur einen einzigen Gedanken. Auf jeder Karte dürfen maximal sieben Wörter stehen. Es muss groß und deutlich geschrieben werden. Die Zeit ist begrenzt (maximal 5 Minuten).
- Die Karten werden an eine Pinnwand geheftet. Dabei sollten sie nach Kategorien (z.B. Organisatorisches, Inhaltliches, Dekoration, Werbung usw.) sortiert werden. Im Zweifelsfall entscheidet und kommentiert der Autor bzw. die Autorin der Karte, in welche Kategorie sie gehören soll. Doppelnennungen kommen auf einen „Parkplatz“, um niemanden zu verärgern (der nur blockieren würde, wenn man seine Karte „wegwirft“!). Weiteres Ergänzen von Karten ist jederzeit möglich.
- Die Kategorien werden einzeln in Kleingruppen bearbeitet, damit nichts untergeht. Wenn nicht alle Kategorien gleichzeitig bearbeitet werden können, wird eine Gewichtung vorgenommen: Die Überschriften werden in eine Liste eingetragen, um sie zu bewerten. Die Kategorien sollten deutlich beschrieben sein. Dann werden die Kategorien bepunktet: Jede Person hat 6 Klebepunkte, maximal 2 dürfen zusammen an eine Stelle geklebt werden, dann auszählen. Mit der bzw. den beliebtesten Kategorien wird begonnen.
- Die wichtigsten Kategorien werden durch Gruppenarbeit bearbeitet. Alle hängen ein Kärtchen mit ihrem Namen dort an, wo sie gerne mitarbeiten wollen. Die Kleingruppe überlegt für ihre Kategorie jeweils Maßnahmen und potenzielle Schwierigkeiten, die dabei auftreten könnten.
- Auswertung im Plenum: Es wird ein Maßnahmenkatalog erstellt, der mit Namen, Terminen und Aufgabenfeld versehen wird.
- Wichtig: Es wird über jede einzelne Karte diskutiert, bis alle damit zufrieden sind. Am Ende der Veranstaltung wird protokolliert, wie weit man gekommen ist.
BRAINSTORMING: Assoziations-Stern
WOMIT?
Gebraucht werden Papier und Stifte.
WOZU?
Assoziationen einzelner Teilnehmender zu einem Thema helfen zum Einstieg in ein Gruppengespräch.
WER?
Jugendliche ab 14 Jahren.
WAS UND WIE?
Alle Jugendlichen bekommen zu Anfang ein DIN A4-Blatt und folgende Aufgabe:
- Schreibe in die Mitte des Blattes das Wort „...“ (= das Stichwort, um das es in der Einheit gehen soll). Schreibe sternförmig um dieses Wort herum, was dir ganz spontan dazu einfällt – und zwar ohne lange zu überlegen, abzuwägen, zu werten. Schreibe einfach querbeet alles, was dir in den Sinn kommt. Dafür hast du fünf Minuten Zeit.
- Unterstreiche die drei Worte, Ausdrücke, Begriffe, die dir am wichtigsten sind. Oder: Unterstreiche die drei Worte, über die du gerne reden möchtest.
- Zweier- oder Gruppengespräch. Fragen dazu: Was waren deine spontanen Assoziationen? Welche Stichworte sind dir am wichtigsten? Warum? Welche positiven Erfahrungen oder Gefühle verbindest du mit dem Thema? Welche negativen Erfahrungen oder Gefühle verbindest du mit dem Thema?
REFLEXION: Eckenabfrage
WOMIT?
Gebraucht werden vorbereitete Zettel mit Satzenden.
WOZU?
Diskussion von Themen in Kleingruppen.
WER?
Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren.
WAS UND WIE?
Es wird ein gemeinsamer Satzanfang vorgelesen, der vier verschiedene mögliche Satzenden hat. Die jeweiligen Satzenden werden in die vier Ecken des Raumes verteilt. Nun sind alle aufgefordert sich zu dem Satzende zu stellen, das am ehesten auf sie zutrifft. Die Kleingruppen, die sich auf diese Weise gefunden haben, tauschen sich aus, warum sie sich hierhergestellt haben. Anschließend folgt eine weitere Frage. Abschließend kann eine gemeinsame Reflexion in der Gesamtgruppe geschehen, in der die wichtigsten Punkte noch einmal genannt werden.
REFLEXION: Standogramm
WOMIT?
Es wird kein Material benötigt.
WOZU?
Reflexion eines Themas, einer Veranstaltung oder Aktion.
WER?
Kinder und Jugendliche ab 9 Jahren.
WAS UND WIE?
Bei dieser Methode wird mit dem ganzen Körper gezeigt, wie man zu einer These steht. Die Person, die die These gesagt hat, stellt sich in die Mitte des Raumes, alle anderen zeigen durch ihre Nähe bzw. Distanz zu der Person ihre Einstellung zur These.
REFLEXION: Theater
WOMIT?
Ein auf eine Flipchart gemalter Theatergrundriss (mit Bühne, Backstagebereich, Orchestergraben, Theatersaal, Rängen etc.) und ein Stift.
WOZU?
Die Rollenverteilung in der Gruppe (und wie einzelne Gruppenmitglieder sie sehen) wird thematisiert.
WER?
Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren.
WAS UND WIE?
Die Gruppe sitzt um einen auf eine Flipchart gemalten Theatergrundriss herum. Mit einem Stift soll jedes Gruppenmitglied sich dort einzeichnen, wo es sich sieht: als Platzanweiser, Regisseurin, Maskenbildner, Publikum, Bühnenbauer, hinter den Kulissen, Kassiererin etc. Anschließen kann sich ein Gespräch über diese Selbsteinschätzungen und die Gruppensituation.
Variante: Auch andere Beispiele sind möglich, z.B. Zirkus, Fußballstadion, Ozeandampfer etc.