Zwischenseminar der Freiwilligen - eine Entdeckungsreise

Jana, BFDlerin im GJW NWD, beschreibt ihre Eindrücke

Nach gerade einmal zweieinhalb Monaten gab es das erste große Wiedersehen der Freiwilligen (FSJ & BFD) in Berlin. Auch wenn sich einige von uns zwischendurch auf Veranstaltungen gesehen hatten, war es doch etwas besonderes für uns, diesmal vollständig und sogar mit Zuwachs zusammenzukommen.

Ankommen, Bettenbelegung ausdiskutieren und sich dann mit Kaffee, Tee, Obst und Tiefkühltorte verwöhnen lassen. Kennenlernspiele für die Neuen und alle, die dann doch ein paar Namen oder Gesichter vergessen hatten. Austauschen, über die erste Zeit im FSJ, über Schönes, Bereicherndes, über Probleme und Herausforderungen. Es tut gut zu hören, nicht der/die Einzige zu sein, bei dem es auch mal schlecht läuft und auch Gefühle der Einsamkeit durch ein neues Umfeld normal und OK sind. Der Abend mündete im Mut machenden Lobpreis.

Der nächste Morgen führte uns und unsere Referenten Tobi und Corny an den Frühstückstisch der Jugendherberge. Auf dem Tagesplan standen ein Besuch des Centrum Judaicum in der ehemaligen Neuen Synagoge in Berlin und des deutschen muslimischen Zentrums, die vor allem einen Ort der Begegnung, Vernetzung und Schulung bieten.
Es waren sehr interessante Einblicke in die Religionen und brachte uns auch zum Nachdenken über den eigenen Glauben. Auch wenn nicht alle Fragen zufriedenstellend geklärt werden konnten: Das (fehlende) Missionsverständnis der Juden sorgte für große Fragezeichen bei einigen Freiwilligen, denen die Verkündigung des Glaubens und die frohe Botschaft sehr am Herzen liegt. Genau wie unsere Selbstverständlichkeit der Annahme Jesu als Sohn Gottes auf die muslimische Nichtannahme dessen trifft, da es eigentlich ja keinen Beweis dafür gibt... oder etwa doch? Fragen, die uns auf dem Rückweg gute Gespräche boten. Genauso herausfordernd und bewegend war ein Film über Homosexualität und die anschließende Nachbesprechung bei der wir erleben konnten, dass ehrlicher Austausch viel bereichernder ist, als eine Diskussion um "Richtig" oder "Falsch".

Auch am dritten Tag haben wir intensive und eindrückliche Begegnungen erleben dürfen, unter anderem beim Besuch des Café Neustart e.V. an der Kurfürstenstraße. Inmitten des als Straßenstrich bekannten Abschnitts bieten die dort arbeitenden Sozialarbeiterinnen und Ehrenamtlichen den meist abhängigen, misshandelten Frauen niederschwellige Hilfe. Kaum zu glauben, dass Prostitution in Deutschland ein riesiges Geschäft ist und die Gesetzgebung so viel Missbrauch und Menschenhandel ermöglicht. Wie wunderbar doch, dass die Hilfe von vielen Frauen angenommen wird und immer wieder welche ein neues Leben anfangen, einen Neustart wagen können.

Eine ähnlich schwere, aber auch herzliche Begegnung war die mit dem ehemaligen Obdachlosen, Uwe von Querstadtein e.V., der uns eine besondere Stadtführung gab. Er zeigte uns "seine" Plätze und teilte seine Geschichte mit uns: Wie er die volle Härte des DDR Regimes und sieben Jahre der Obdachlosigkeit in der BRD erlebt hat, und wie man als Obdachloser (über-)lebt. In seiner humorvollen Art und Weise dies zu tun, konnten wir trotz der bedrückenden Schilderungen auch viel Lachen und immer wieder etwas Leichtigkeit gewinnen.
Trotz Uwes ständiger Bemerkung, es sei erst kalt, bei -20°C draußen zu schlafen, kehrten wir etwas durchfroren in die Jugendherberge zurück und verbrachten den Abend ganz unterschiedlich, aber vor allem, zumindest die meisten, nach einer Runde Pizza.

Tag Vier gestaltete sich dann, im Gegensatz zu den vorherigen Tagen, sehr gemäßigt mit einer kleinen Theorie Einheit über Methoden zur Vermittlung von Themen. Praktisch können wir dies in den Einsatzstellen und in den Einheiten auf dem kommenden Seminar ausprobieren. Nach dem Mittagessen, in einer Findungs- und Planungsphase für erste Ideen und eine konkrete Zielsetzung, arbeiteten wir in unseren Gruppen, bis wir später wieder zusammenkamen und Organisatorisches abklärten, wie z.B. die Verteilung von Zuständigkeiten für den Instagram Kanal @gjw_freiwillig. Das Folgen lohnt sich! Hier bekommt ihr einen weiteren Einblick, was uns Freiwillige so beschäftigt.
Am Abend besuchten wir den "UpDate", einen vom GJW Berlin-Brandenburg organisierten Jugendgottesdienst, bei dem wir schon einmal die BUJU-Band hören, alte Bekannte wieder treffen und neue Kontakte knüpfen konnten.

Der Abend zog sich natürlich länger hin als sonst, keiner wollte den letzten einfach so verstreichen lassen. Mit skurrilen Gestikulationsspielen, die uns die Lachtränen in die Augen trieb und einigen Runden UNO (FSJler Regeln) oder Psychiater, gingen wir in eine kurze Nacht mit Ausblick auf die ein oder andere lange Rückfahrt, die den nächtlich versäumten Schlaf wieder aufstocken würde.

Den Abschluss des Seminars bildete ein kleiner Gottesdienst, in dem wir noch einmal an viele Momente und Eindrücke der letzten Tage erinnern und Belastendes abgeben konnten. Mit Lobpreis vor Gott kommen, für einander beten und uns segnen lassen. Mit einer kleinen Abschiedsbescherung von unseren Referenten im Gepäck ging es dann wieder zurück in den FSJ Alltag, diesmal mit neuen Perspektiven und vielleicht der ein oder anderen geänderten Meinung.

Auch dieses Seminar war wieder super bereichernd und schön, und ich sehe es als wahres Geschenk, ein BFD machen zu können. Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, kann sich auch jetzt schon für das kommende Jahr bewerben.

Ein Artikel von Jana Bednarz