Männerträume werden wahr!
> mehrJahresprogramm 2012
Das neue GJW- Jahresprogramm ist da! Alle Freizeiten, Schulungen und Events 2012 auf einen Blick.
Du bekommst es in allen GJW-Geschäftsstellen oder in deiner Gemeinde.
Männerträume werden wahr!
> mehrSaubere Kleidung
Ein Teilaspekt des Fairen Handels ist das Thema "Saubere Kleidung". Ulrike Maurischat aus der AG 3 hat sich für uns mit diesem Thema beschäftigt und dazu einen Beitrag für die Zeitschrift "Jungscharhelfer" (3/2008) verfasst:
Fair feels good - auch bei Klamotten!
Die Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Cloth Campaigne = CCC) wurde 1990 in den Niederlanden gegründet und existiert heute in zwölf europäischen Ländern.
Die CCC ist ein Netzwerk, in dem über 300 Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (NRO), Verbraucherorganisationen, kirchliche Gruppen, „Eine Welt“-Läden, Recherche-Institutionen und Frauenrechtsorganisationen zusammenarbeiten. Es existiert eine enge Kooperation mit Partnerorganisationen in Entwicklungsländern.
Das Ziel der CCC ist eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der weltweiten Bekleidungs- und Sportartikelindustrie. Hierzu werden Endverbraucher informiert, wird mit Unternehmen verhandelt, werden Organisationen von ArbeiterInnen unterstützt und öffentliche Kampagnen durchgeführt.
Alles so schön billig hier ... und doch ein hoher Preis!
Seit den 70er Jahren verlagern immer mehr Markenfirmen und Sportartikelhersteller ihre arbeitsintensive Produktion in Entwicklungsländer. In diesen Ländern ist es den Unternehmen möglich, zu extrem niedrigen Herstellungs- und Lohnkosten produzieren zu lassen. Einen hohen Preis zahlen jedoch die Beschäftigten in den Textilfabriken. Unzählige ArbeiterInnen sind ausbeuterischen und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen ausgesetzt.
Lange Arbeitstage (von 7 bis 21 Uhr abends), erzwungene Überstunden und ein Hungerlohn sind traurige Realität dieser FabrikarbeiterInnen. Fabriken, in denen Menschen unter schlechten Arbeitsbedingungen zu Niedrigstlöhnen arbeiten, werden „Sweatshops“ genannt. Lange Arbeitszeiten, geringe Entlohnung, schlechte Arbeitsbedingungen und fehlende Arbeitsrechtsgesetze sind nur einige Beispiele für Zustände dieser Ausbeutungsbetriebe.
Made by Women
Weltweit sind 75 % der Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie weiblich. Also hauptsächlich Frauen arbeiten unter diesen menschenunwürdigen Bedingungen. Oft sind in den Fabriken Gewerkschaften verboten. Da Arbeitsplätze sowieso Mangelware sind, müssen die Fabrikarbeiterinnen sich diesen miserablen Arbeitsbedingungen aussetzen. Junge Frauen sind zudem physischen und psychischen Übergriffen von Seiten der Aufseher und Vorgesetzten ausgesetzt. Die Angst, ihren Job und damit ihre dürftigen Lebensgrundlagen zu verlieren ist groß. Widerspruch wird häufig sofort hart bestraft.
Mit repressiven und diskriminierenden Praktiken gegenüber schwangeren Frauen versuchen die Fabriken einen reibungslosen Ablauf der Produktionslinien zu gewährleisten: Bei der Einstellung bevorzugen die Fabrikbesitzer Gelegenheits- und WanderarbeiterInnen. Da sie sich mit Arbeitsrechten nicht auskennen und auf den geringen Lohn angewiesen sind, erweisen sie sich als gehorsame und billige Arbeitskräfte. Allein in China ist die Zahl der WanderarbeiterInnen seit 1980 von 2 Millionen auf 200 Millionen gestiegen.
Profit geht vor Menschenwürde ...
Inzwischen verkaufen die großen Unternehmen nicht mehr allein Produkte, sondern eine Marke, ein Image, einen Lifestyle. Es geht um ein Lebensgefühl oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe.
Damit lässt sich Geld verdienen! Die größten Investitionen fließen in den Entwurf und die Vermarktung der Marke. Millionen werden deshalb für Werbung ausgegeben. In den letzten zehn Jahren stiegen die Sponsoring-Ausgaben jährlich um 14 Prozent. Gleichzeitig wird an den eigentlichen Produktionsstätten und vor allem bei der Entlohnung der Arbeitskräfte gespart. Das Ansehen und Image der Unternehmen bei der Kundschaft ist mehr wert als die Lebenssituation und das Wohlergehen derer, die für dieses Image hart arbeiten (weitere Informationen unter: www.inkota.de).
Aktiv werden für faire Arbeitsbedingungen
Die Kampagne für Saubere Kleidung basiert auf der Überzeugung, dass die Bekleidungsunternehmen dafür Verantwortung übernehmen müssen, wie ihre Produkte bzw. Markenartikel hergestellt werden. Deshalb übt die CCC öffentlichen Druck auf Unternehmen aus, damit sich diese für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in ihren weltweiten Zuliefererbetrieben und für ein unabhängiges Kontrollsystem einsetzen.
Der Gedanke, der hinter der CCC steht, ist NICHT, Markenfirmen wie Adidas, Puma, Nike u.a. zu boykottieren oder auf den Einkauf der Lieblingskleidung zu verzichten. Ein Boykott würde die Arbeitsplätze der Beschäftigten gefährden. Wichtig ist, dass sich Konsumenten für faire Arbeitsbedingungen einsetzen. Deswegen seid Ihr aufgefordert, als KönigIn Kunde die Unternehmen auf ihre soziale Verantwortung bei der Herstellung eurer Klamotten hinzuweisen Je stärker das Bedürfnis nach fair produzierter Kleidung ist, desto größer der Druck auf die Unternehmen, auf diese Bedürfnisse zu reagieren.
Dieser Druck wächst durch öffentlichkeitswirksame Proteste bzw. Aktionen wie zum Beispiel Unterschriftenaktionen oder Protestbriefe, das heißt: sich schriftlich bei den Unternehmen nach sozialen Mindeststandards in ihrer Produktion zu erkundigen.
In diesem Jahr gibt es zwei große sportliche Events: Erst die Fußball-EM im Juni und dann die Olympischen Spiele im August. Weitere Informationen unter www.saubere-kleidung.de und im Aktionshandbuch von INKOTA (www.inkota.de) (INKOTA ist ein ökumenisches Netzwerk entwicklungspolitischer Basisgruppen). In diesem Aktionshandbuch wird zum Beispiel auch auf die Aktion „One World One Dream“ zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking PLAY FAIR 2008 hingewiesen.
Entwurf für eine Jungscharstunde
Einstieg ins Thema
My T-Shirt is my castle – Mein Lieblingskleidungsstück erzählt
Wenn ihr euch in der Jungschar trefft, kann ja jeder mal sein Lieblingskleidungstück mitbringen und erzählen, welche Geschichten sich damit verbinden:
• Was ist mein Lieblingskleidungsstück?
• Welche Geschichte hat es?
• Wie lange habe ich es?
• Habe ich es selbst gemacht, gekauft, geschenkt bekommen?
• Zu welchen Gelegenheiten ziehe ich es heute noch an?
• Wie fühle ich mich dann damit
Ein Lieblingskleidungstück kann nicht einfach so ersetzt werden, kann so manche Modetrends überstehen und auch noch „markenlos” der Hit sein! (www.agendakids.muc.kobis.de – Thema Kleidung)
Die lange Reise einer Jeans
Jeanshosen sind Weltenbummler. Bis sie in deutschen Regalen liegen, haben sie in der Regel eine sehr lange Reise hinter sich. Denn die Baumwolle wächst nur in warmen Ländern, verarbeitet wird sie hingegen dort, wo die Arbeitskräfte am billigsten sind, und gekauft werden Jeans in den reichen Industrieländern. Um die Reisestationen einer Jeans zu verfolgen, müssen wir in Kasachstan anfangen.
Kasachstan:
Hier wächst die Baumwolle in großen Plantagen. Sie wird von Hand oder mit der Maschine geerntet und anschließend in die Türkei versandt.
Türkei:
Hier wird die Baumwolle in Spinnereien zu Garn gesponnen.
Taiwan:
Aus diesem Baumwollgarn wird in den Webereien der Jeansstoff hergestellt.
Polen:
Hier wird die chemische Indigofarbe (blau) zum Einfärben des Jeansstoffes produziert.
Tunesien:
Hier werden das Garn aus der Türkei und der Jeansstoff aus Taiwan mit der Indigofarbe aus Polen eingefärbt.
Bulgarien:
Jetzt wird der fertige Jeansstoff veredelt, das heißt: weich und knitterarm gemacht.
China:
Hier wird die Jeans zusammengenäht, mit Knöpfen und Nieten aus Italien und Futterstoff aus der Schweiz.
Frankreich:
Jetzt bekommt die Jeans den letzten Schliff. Sie wird gewaschen, zum Beispiel mit Bimsstein aus Griechenland, wodurch sie den „Stone-washed-Effekt“ erhält.
Deutschland:
Hier wird das Firmen-Label in die Jeans eingenäht und sie erhält den Aufdruck „Made in Germany“!
Am Ladentisch angelangt, hat die Jeans bereits mehr als 50.000 km zurückgelegt und sich dabei sehr negativ auf unser weltweites Ökosystem ausgewirkt:
Auf den Tausenden von Transportkilometern werden viel Erdöl verbraucht und große Mengen Kohlendioxid in die Atmosphäre eingebracht. Die Baumwollplantagen benötigen gewaltige Mengen Wasser für die Bewässerung und viele Chemikalien, die zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden, gelangen in die Böden, in das Grundwasser und in die Luft. Die Flüsse nahe der Färbereien sind tote Flüsse, weil dort die überschüssigen und ausgewaschenen Reste der giftigen Farbstoffe eingeleitet werden.
Neben den Umweltverschmutzungen hat die Jeansherstellung auch negative Konsequenzen für die Arbeiter, meist Frauen und Kinder: Viele erkranken aufgrund der ungesunden Arbeitsbedingungen.
Endstation Afrika:
Nachdem die Jeans in Deutschland gekauft, getragen und altmodisch geworden ist, wandert sie meistens in die Altkleidersammlung.
Jetzt geht die getragene Jeans ein zweites Mal auf Reise. Meist wird sie zu einem holländischen Betrieb transportiert, der die ankommende Kleidung sortiert. Anschließend wird sie per Schiff nach Afrika gebracht und mit dem LKW ins Inland weitertransportiert. So legt die Jeans noch einmal rund 8.000 km zurück.
Am Zielort angekommen, wird sie auf Märkten an die einheimische Bevölkerung verkauft. Für viele afrikanischen Textil- und Handelsfabriken bedeutet dieser Altkleiderverkauf das Aus. Sie büßen durch die Konkurrenz erheblich an Umsatz ein und gehen Pleite. Viele Leute verlieren ihren Arbeitsplatz.
Inzwischen gibt es Kleidersammlungen, die bei der Sammlung für eine faire Verwertung sorgen.
Wer verdient an einer Jeans?
Die vielen Transportkilometer kommen zustande, weil bei der Jeansproduktion immer die billigste Möglichkeit bevorzugt wird, auch wenn es auf Kosten der ArbeitnehmerInnen und der Umwelt geht. Wer den Jeanspreis genauer betrachtet, kommt auf folgendes (unfaires) Ergebnis:
• Nur 1 % des Jeanspreises geht als Lohn an alle ArbeiterInnen.
• Die Materialkosten belaufen sich auf 13 %.
• Die Transportkosten und sonstige Gebühren (z. B. Zoll) machen einen Anteil von 11 % aus.
• Die Markenfirma nimmt 25 % des Jeanspreises für Werbung, Forschung, Entwicklung und Design in Anspruch.
• Die restlichen 50 % kassiert der Einzelhandel. Dieser hat zwar auch Kosten, wie Verkaufspersonal, Ladenmiete und Verwaltung, aber er hat auch eine sehr große Gewinnspanne für sich eingerechnet.
Da die Gewinnspanne für den Handel umso größer ist je geringer die Produktionskosten sind, spart er kräftig an den Arbeitslöhnen. Daher wird die meiste Kleidung in den so genannten Billiglohnländern u.a. von Kindern produziert – für einen Lohn, der meist kaum zum (Über-)Leben reicht.
Und was machen wir nun?
Die TeilnehmerInnen markieren alle Länder, die an der Jeansherstellung beteiligt sind, mit Pinnnadeln auf der Weltkarte. Eine von Nadel zu Nadel gespannte Schnur veranschaulicht die Länge der einzelnen Trans-portwege. Insgesamt legt die Jeans oft mehr als 50.000 km zurück.
Im Plenum sprechen die Kinder über die Umweltbelastungen, die durch die Transportmittel (CO2-Eintrag in die Atmosphäre) und während der Jeansherstellung (Boden- und Grundwasserbelastungen durch den hohen Einsatz von Chemie) entstehen. Ebenso diskutieren sie die sozialen Ungerechtigkeiten. Nach den Prinzipien des Welthandels wird die Jeans in den Ländern mit den billigsten Arbeitskräften produziert. (Weiterführende Informationen im Hintergrundbericht)
Anschließend nennen die TeilnehmerInnen in einem Brainstorming alle Beteiligten, die an einer Jeans verdienen und schreiben diese auf ein Plakat oder an eine Tafel. Anschließend schätzen sie, wer wie viel an einer Jeans verdient.
Der Jeanspreis setzt sich wie folgt zusammen:
1 % Lohn für alle an der Produktion beteiligten ArbeiterInnen
11 % Transportkosten und Gebühren, wie Zölle, Steuern
13 % Materialkosten
25 % Markenfirma (Entwicklung, Design), Verwaltung und Werbung
50 % Einzelhandel (Geschäftsgewinn, Verwaltung, Ladenmiete usw.)
Die ungleiche Gewinnverteilung geht auf Kosten der ArbeiterInnen in den armen Ländern, die für ihre Arbeit einen Lohn erhalten, der oftmals nicht zum Überleben reicht.
In diesem Zusammenhang kann der faire Handel angesprochen werden, bei dem die Erwachsenen nicht ausgebeutet werden. Ihr Arbeitsplatz ist nicht gesundheitsschädigend, sie bekommen soziale Absicherun-gen und erhalten einen gerechten Lohn. So wird zum Beispiel Kindern eine Schul- und Ausbildung ermöglicht.
Tipp
Zur Veranschaulichung kann die Preiszusammensetzung auf einer alten Jeans aufgemalt werden!
Ulrike Maurischat (Frankfurt)

